Nationale Identität und Zusammengehörigkeit in Deutschland seit der Wiedervereinigung – Eine vereinte Nation?

©Esteban Fleury – Nürnberg

En Allemagne, la question identitaire nationale a fait face à de nombreux défis dans son histoire récente. Entre le régime totalitaire nazi, la séparation en deux Allemagnes et encore avant la fédération des Etats Allemands, nos voisins outre-Rhin ont connu de nombreuses séparations, rendant la classification d’une seule et même identité nationale allemande difficile. Au-delà de la classification, c’est l’expression du patriotisme et de la « fierté d’être allemand » qui est depuis lors muette. Cela nous amène, dans l’article suivant en langue allemande, à nous interroger sur la légitimité du patriotisme allemand et la manière dont les habitants de ce pays conserve tout de même un sentiment d’appartenance nationale.

Wenn Sie in irgendeinem europäischen Land rumfahren oder besichtigen, werden Sie sicherlich eine hohe Anzahl an nationale Flaggen in den großen Städten sehen. Die Nationalfarben, die Wappen, die historische Fahnen sind ein zentraler Bestandteil der Völkeridentifizierung, und gehört zu den Elementen, die die Bürger eines Staates zusammenbringen. Aber in Deutschland ist diese Tendenz anders. Nationalfahnen und Wappen gehören nur zu einige Behörden, bleiben drinnen, und der “Stolz” der Staatsangehörigkeit Deutschlands wird nicht besonders in der Öffentlichkeit geäußert. Eine Frage bleibt offen: Inwiefern dürfen die deutsche sich erklären, stolz ihrer Nation zu sein? Inwiefern steht die Bevölkerung zu seiner nationalen Identität?

Es ist deutlich, dass nationale Identität in Deutschland wegen seiner Geschichte ein sehr schwieriges Thema ist. Weil die deutsche Nation nicht immer einig war, weil sie durch mehrere Phasen seiner Geschichte Trennungen erlebt hat, weil mal Nationalismus das Land zu einer Diktatur gebracht hat, war es für vielen Jahren schwierig, sich stolzer deutscher zu erklären. 

Deutschland als künstlicher Staat, Konstrukt eines Bundes von Ländern

Deutschland war nicht immer ein Staat an sich. In seiner Geschichte sind mehrere Wandel geschehen, die die deutsche Völker entweder zusammengebracht oder getrennt hat. Als Deutschland sich im 19ten Jahrhundert zum Bund vereinigt hat, nachdem es als Heilige Römische Reich existierte, waren es Königreiche und Fürstentümer, die sich zusammengestellt haben, um als Eine ein Staat zu gründen. Das bedeutet mehrere Kulturen, Verfassungen, politische Strukturen, Wirtschaftslagen, manchmal Sprachen und infolge mehrerer Identitäten. Diese Identifizierungsfrage ist in der Schweiz mit 4 Sprachen schon eine besondere Herausforderung, aber wenn man auf die heutigen 16 Bundesländern schaut, die selbst Einigungen von mehreren Königreichen oder Fürstentümer bilden, klingt es fast unmöglich, eine nationale Identität zu schaffen, die alle zufrieden machen wird. Ein Bayrischer hat eine sehr unterschiedliche Vorstellung Deutschlands als ein Mecklenburger, obwohl beide über den gleichen Pass verfügen. Manche fragen sich wohl, warum Deutschland überhaupt ein einziger Staat ist, wenn so viele ehemalige Königreiche und kleinere Nationen darein zusammenstehen. 

In der heutigen Bundesrepublik hat der Bund tatsächlich keine eigene legislative Kompetenz und keine echten Behörden, die die Politik des Staates umsetzt, sondern es ist die Aufgabe der Länder. Für ein Bürger aus irgendeiner Gegend wird zuerst das Bundesland als politische obere Struktur angesehen, bevor der Bund betrachtet wird. Übrigens bezeichnen sich die Bundesländer selbst nicht in dieser Form, sondern nur “Länder”. In Hauptstädte dieser Länder sind nur Flaggen des Landes zu finden, und die des Bundes sind kaum zu beobachten, oder sei es nicht in die Straße, sondern in den Gebäuden. Laut einer Studie der Ifo identifizieren sich nur 32% der Menschen mit dem Bund, und mehr als 50% mit entweder die Kommune oder das Bundesland, in dem sie wohnen. Die Identität einer Person wird zwar erst von dem näheren Kreis bestimmt, aber in andere Länder, wo das System zentralisiert und die regionalen Kulturen und Sprachen zum Teil zerstört worden sind, liegt eine sehr höhere Identifizierung zum Staat. Das heißt nicht, dass ein Schwabe sich ein Mecklenburger nicht der gleichen Nation vorstellt, aber, dass es zwischen diesen Regionen tiefen kulturellen Unterschieden gibt, die ein Hindernis dafür werden können, dass diese Länder sich vollständig gegenseitig als “gleiche” betrachten können. 

Die NS-Zeit und der Nationalismus als Bestandteil des autoritären Regimes

In den Gedächtnissen aller deutschen wird vermutlich noch langer Zeit diese dunkle Epoche des Nazismus bleiben, und das zurecht. Adolf Hitler nutzte für seinen Regime Elemente, die das deutsche Volk zusammenbringen sollte, und instrumentalisierte die kulturellen und geschichtlichen Elemente der deutschen Identitäten, um sein grausames politisches Projekt zu rechtfertigen. Dieses Übermaß an Chauvinismus setzte ein Standard für die Lage, die man in Deutschland für immer vermeiden möchte. 

Aus diesem Grund herrscht bei starker Identifizierung zu dem Staat immer noch ein großer Tabou. Die deutsche schämen sich über ihre Geschichte, die sie seit dem 2. Weltkrieg u.a. durch Zusammenarbeit mit Israel und Erinnerungsarbeit in Europa einigermaßen reparieren möchten. Jedoch ist Versöhnung nicht genug, um zu vergessen, was damals passiert ist. Deshalb wird jedes Zeichen von Nationalismus deutlich weniger toleriert als in Nachbarländer. Und diese Tendenz wird bestimmt in den nächsten Jahren immer schlimmer werden, da jetzt die AfD diese nationale Identifizierungselemente für sich nutzt, um die Bevölkerung zu trennen und diskriminierenden Ideen zu verbreiten. 

Deutschland vor 1990 als zwei feinde Staaten

Das andere “Elephant in the room”, wenn man über Deutschland im 20. Jahrhundert spricht, ist die Scheidung des Staates ab 1949, West und Ost. Die Geschichte dieser Trennung ist vermutlich aller bekannt, aber interessant ist es, zu verstehen, wie sich die deutsche plötzlich sich nicht mehr gegenseitig als Feinde betrachtet haben, sondern 1990 spontan wiedervereinigt worden sind. Tatsächlich war es schwierig, zu verstehen, was es hieß “Deutscher” zu sein, wenn während 50 Jahren 2 Arten von Deutschen existiert haben…

Trotzdem erreichte Deutscher Zusammengehörigkeitsgefühl nach der Mauerfall sein Höhepunkt, weil die Menschen aus dem Osten und dem Westen sich in gleichen Merkmalen identifizieren konnten, und zwar die Sprache, die Geschichte, und die gemeinsame Haftung der Vergangenheit und der Zukunft. Aber bis heute wird diese Trennung gefühlt, und zwar nicht nur kulturell, sondern wirtschaftlich, politisch, soziologisch, und in anderen Bereichen ebenso. Schaut man auf die Karte der erfolgreichsten Parteien in jedem Bundesland, dann ist die Trennung ziemlich sichtbar. Im Osten ist vielleicht nach einem Jahrhundert unter Kommunismus und Abschaffung der deutschen Identität wichtig, zurück zu einem System zu kehren, wo Nationalismus herrscht. Das möchte die AfD anbieten, und dadurch bekommt sie viele Wahlen in den neuen Bundesländern. 

©Esteban Fleury – Villa Reizenstein, Stuttgart

Bis heute hat sich die Zusammengehörigkeit in Deutschland deutlich verbessert. Es ist interessant, zu sehen, in welchen Orten sich die nationale Identität äußert, und das hat meistens zu tun mit Sport. 

Im Prozess der Wiedervereinigung spielte die Fußball-Weltmeisterschaft 1990 eine bedeutende Rolle. Obwohl es noch die BRD war, die Deutschland auf der Fußball-Szene repräsentierte, schaffte der Sieg in Finale ein Gefühl von Zusammenhalt zwischen Menschen im Westen und Osten. DDR-Bürger durften sich über Deutschland freuen, und diese Feier versammelte die ganze Bevölkerung. Denn Sport ist ein wichtiges Mittel, die Bevölkerung zu vereinigen. Beim Sport vergisst man seine Unterschiede, feiert zusammen, aber vor allem man zeigt durch gemeinsame Symbole (Flaggen, Trikots, Farben, u.a.) seine Angehörigkeit zu seinem Land. Man darf bei Sport sagen, dass Deutschland “das Beste” ist, was in anderen Umständen an das Nazitum erinnern würde. Die Frage bleibt, ob die explizite Äußerung seines Stolzes seiner Nation in anderen Umständen als bei Sport künftig erlaubt sein werden. Sollte man überhaupt schon sagen können, dass man Deutschland über alle andere schätzt? Darf man in der Öffentlichkeit mit einer Schwarz-Rot-Goldene Flagge rumlaufen? Man muss eine Grenze setzen zwischen nationale Identität und Instrumentalisierung dieser Identität, um eine Form von Abgrenzung, zum Beispiel gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund zu begründen. Weil während die erste für den Staat sinnvoll sein kann, weil es die Menschen zusammenbringt, wirkt die zweite zu einer schweren Spaltung der Gesellschaft. 

Deutschland besteht aus vielen Identitäten. Und obwohl es für Zusammenhalt ein Problem sein kann, ist es eine besondere Kraft, diese Multikulturalität bis heute behalten zu haben. Das föderalistische System passt im Endeffekt der deutschen Nation gut an. Es erlaubt Deutschland, die Menchen zusammen nach vorne zu bringen, ohne die Identität jedes Bürgers löschen zu müssen, was zum Beispiel nach der französischen Revolution von den Jacobins gemacht worden ist. Vielleicht liegt die Lösung der Verbesserung der nationalen Zusammengehörigkeit nicht darin, der Staat zentralisierter zu machen, sondern zu zeigen, dass nationale Elemente und Symbole nicht unbedingt für totalitären Regimen genutzt werden können. Darum ist es wichtig, gegen die AfD eine klare Kampagne zu führen. Weil in Deutschland darf Nationalismus nicht mehr ein Platz haben.

Quellen : 

Aus : Bundeszentrale für politische Bildung, Nation, Nationalismus, nationale Identität, 1998:

  • R. Schröder, “Ich bin Deutscher”, was heißt das?, 1993
  • B. Seebacher-Brandt, Nation im vereinigten Deutschland, 1994
  • M. Mitscherlich-Nielsen, Eben doch Angst vor Deutschland?, 1990
  • F. R. Pfetsch, Der politische Identitätsbegriff, 1998
  • Ifo-Umfrage : A. Kremer, Historische Zusammengehörigkeit und regionale Identität, 2025

https://www.ifo.de/DocDL/ifoDD_25-01_08-11_Kremer.pdf

https://www.deutschlandfunk.de/studie-mehrheit-sorgt-sich-um-zusammenhalt-in-deutschland-106.html

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